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Chirurgische Nahttechniken: Einzelknopf, Donati & Co.

Chirurgische Nahttechniken: Einzelknopf, Donati & Co.

Die wichtigsten chirurgischen Nahttechniken für die Haut sind die Einzelknopfnaht, die Rückstichnähte nach Donati und nach Allgöwer, die horizontale Matratzennaht, die fortlaufende Naht und die Intrakutannaht. Welche Technik passt, hängt von der Spannung auf der Wunde, der Körperregion und dem gewünschten kosmetischen Ergebnis ab. Wer anfängt, lernt zuerst die Einzelknopfnaht, denn alle anderen Techniken bauen auf ihr auf.

Ob im Nahtkurs, im Blockpraktikum Chirurgie, in der Famulatur oder im PJ: Früher oder später sollen Sie eine Hautnaht nicht nur setzen, sondern auch begründen können, warum gerade diese Technik. Dieser Überblick erklärt die gängigen Nahttechniken mit ihren Stärken, Schwächen und typischen Einsatzgebieten. Geübt werden sie am Nahtpad; an Patientinnen und Patienten nähen Studierende nur unter ärztlicher Aufsicht.

In diesem Beitrag:

Chirurgische Nahttechniken im Überblick

Grundsätzlich unterscheidet man Einzelnähte, bei denen jeder Stich für sich geknotet wird, und fortlaufende Nähte, bei denen ein Faden über die ganze Wundstrecke läuft. Einzelnähte erlauben eine sehr genaue Anpassung der Wundränder und verteilen die Spannung auf viele Schlingen: Lockert sich eine, halten die anderen. Fortlaufende Nähte gehen schneller, verbrauchen weniger Material und verschließen die Wunde dicht.

TechnikTypisch fürBesonderheit
Einzelknopfnahtoberflächliche, nicht klaffende HautwundenGrundtechnik; jeder Stich einzeln geknotet
Rückstichnaht nach DonatiWunden unter Spannung, z. B. an Gelenken, Rücken, Bauchvier Einstichstellen, sehr fester Halt
Rückstichnaht nach Allgöwersichtbare Hautpartien, HaaransatzRückstich in der Lederhaut, nur zwei Einstichstellen
Horizontale MatratzennahtHandfläche und Finger, Kopfhaut, wenig Unterhautgewebebreite Naht; etwa halb so viele Nähte nötig
Fortlaufende Nahtlängere Wunden mit wenig Spannungschnell, materialsparend
Intrakutannahtgerade, spannungsfreie Wunden, z. B. im GesichtOberhaut wird nicht durchstochen

Was in der Klinik vor der Naht passiert

Bevor überhaupt genäht wird, laufen in der Klinik mehrere Schritte ab, die Sie kennen sollten, auch wenn Sie sie zunächst nur beobachten:

  • Aufklärung und Einwilligung: Die Patientin oder der Patient wird über den Eingriff und mögliche Risiken wie Infektion oder Narbenbildung aufgeklärt.
  • Untersuchung der Wunde: Fremdkörper und Verletzungen von Nerven, Sehnen, Gefäßen oder Gelenken dürfen nicht übersehen werden. Solche Begleitverletzungen gehören in fachärztliche Hände, etwa in die Handchirurgie.
  • Entscheidung über den Verschluss: Verschmutzte oder ältere Wunden und bestimmte Bisswunden werden oft nicht sofort genäht. Alternativen zur Naht sind zum Beispiel Klammern oder Gewebekleber.
  • Vorbereitung: Die Wunde wird gereinigt und gespült, die umgebende Haut desinfiziert und die Region örtlich betäubt. Alles, was die Wunde berührt, also Instrumente und Nahtmaterial, muss steril sein.
  • Tetanusschutz: Bei Verletzungen prüft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt den Impfstatus.

Für die Naht selbst sorgen eine bequeme Lagerung, eine angenehme Arbeitshöhe und gutes Licht dafür, dass Sie präzise arbeiten können.

Grundprinzipien jeder Hautnaht

Ob Einzelknopf- oder Intrakutannaht: Einige Regeln gelten für alle Techniken. Wer sie verinnerlicht hat, lernt jede neue Naht schneller.

Nadel einspannen und Nadelhalter halten

Die Nadel wird im rechten Winkel mit der Spitze des Nadelhalters gefasst, am Übergang vom hinteren, fadenseitigen zum mittleren Drittel. Den Nadelhalter halten Sie in der dominanten Hand, den Zeigefinger seitlich gestreckt; das gibt die meiste Kontrolle. In die Ringe greifen Sie spätestens zum Lösen der Nadel und zum Knoten. Je nach Stichrichtung wird die Nadel in Vorhandposition oder Rückhandposition eingespannt.

Senkrecht einstechen und der Krümmung folgen

Die Nadel tritt im rechten Winkel zur Hautoberfläche ein und aus. Sie wird nicht durch das Gewebe gedrückt, sondern mit einer Drehung aus dem Handgelenk (Pronation zu Supination) entlang ihrer Krümmung geführt. Wer drückt oder zieht, schneidet Gewebe ein. Wo die Situation es erlaubt, näht man auf sich zu.

Symmetrisch stechen und Wundränder evertieren

Ein- und Ausstich liegen auf einer Linie, gleich weit vom Wundrand und gleich tief. Die Stichtiefe sollte größer sein als die Stichbreite, sodass die Naht in der Tiefe mehr Gewebe fasst als an der Oberfläche. So wölben sich die Wundränder leicht nach außen (Eversion); sie flachen in der Heilung wieder ab. Hohlräume in der Tiefe (Totraum) sind zu vermeiden.

Pinzette schonend einsetzen

Die chirurgische Pinzette halten Sie wie einen Stift in der nicht dominanten Hand. Sie hebt den Wundrand leicht an und hilft beim Evertieren, ohne die Haut zu quetschen. Mit der Klemme fasst man Wundränder nicht, weil sie das Gewebe zerdrückt.

Knoten: gegenläufig und nicht zu fest

Für die Hautnaht ist der Instrumentenknoten üblich: Der erste Wurf wird doppelt um den Nadelhalter gelegt, danach folgen einfache, gegenläufige Würfe, insgesamt meist drei bis vier, bei glatten monofilen Fäden eher mehr. Der Knoten wird nur so fest gezogen, dass die Wundränder aneinanderliegen. Zu feste Nähte führen, vor allem wenn die Wunde anschwillt, zu Durchblutungsstörungen und Gewebeuntergang. Der Knoten liegt seitlich, nicht über der Wundlinie.

Reihenfolge und Abstände

Bei Einzelnähten wird die erste Naht oft in die Mitte der Wunde gesetzt, die nächsten jeweils in die Mitte der verbleibenden Abschnitte. Als Faustregel entspricht der Abstand zwischen zwei Nähten etwa dem Abstand des Einstichs vom Wundrand. Im Gesicht wird mit feinerem Nahtmaterial gearbeitet als am Rumpf, wo mehr Zug auf der Wunde liegt.

Einzelknopfnaht

Die Einzelknopfnaht ist die einfachste und häufigste Form der Hautnaht. Jeder Stich bildet eine einzelne Schlinge, die für sich geknotet wird. Sie ist schnell gelernt, hält fest und lässt sich Stich für Stich an die Wunde anpassen. Löst sich eine Naht, bleiben die übrigen intakt.

Ihre Grenzen zeigt sie bei Wunden unter starker Spannung oder mit schwer zu adaptierenden Rändern: Dort ist sie nicht die alleinige Methode, und das kosmetische Ergebnis kann leiden. Typische Einsatzgebiete sind oberflächliche, nicht klaffende Wunden, etwa nach der Entfernung kleiner Hautveränderungen. Symmetrisch gesetzt, liefert sie ein gutes kosmetisches Ergebnis.

Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Richtwerten finden Sie in unserem Beitrag Einzelknopfnaht: Anleitung und 6 typische Fehler.

Rückstichnaht nach Donati (vertikale Rückstichnaht)

Die Rückstichnaht nach Donati, benannt nach dem italienischen Chirurgen Mario Donati, ist eine Weiterentwicklung der Einzelknopfnaht. Sie kombiniert einen breiten, tiefen Stich mit einem schmalen, flachen Rückstich in derselben Ebene. Im Englischen heißt sie vertical mattress, im Deutschen auch vertikale Matratzennaht oder vertikale U-Naht.

So wird sie gesetzt:

  1. Wundfern und tief: Die Nadel sticht deutlich weiter vom Wundrand entfernt ein als bei der Einzelknopfnaht, fasst Haut und Unterhautgewebe und tritt auf der Gegenseite im gleichen Abstand aus.
  2. Nadel umspannen: Die Nadel wird in Rückhandposition in den Nadelhalter gelegt.
  3. Wundnah und flach zurück: Auf derselben Linie sticht die Nadel nahe am Wundrand ein, fasst nur die Lederhaut und kommt auf der Ausgangsseite zwischen erstem Einstich und Wundrand heraus.
  4. Knoten: Beide Fadenenden liegen nun auf derselben Seite und werden dort verknotet.

Der tiefe Stich trägt die Spannung, der flache Rückstich richtet die Wundränder exakt aus und evertiert sie. Die Donati-Naht hält sehr fest und eignet sich daher für Wunden unter Zug, etwa an Gelenken, am Rücken oder am Bauch. Ihr Nachteil sind die vier Einstichstellen pro Naht: Sie können sichtbare punktförmige Narben hinterlassen. Im Gesicht wird sie deshalb eher vermieden. Außerdem kommt es bei ihr häufiger zu Durchblutungsstörungen und Hautnekrosen als bei einfachen Einzelknopfnähten, gerade wenn sie zu fest geknotet wird.

Rückstichnaht nach Allgöwer

Die Rückstichnaht nach Allgöwer, benannt nach dem Schweizer Chirurgen Martin Allgöwer, ist eine Abwandlung der Donati-Naht. Der Unterschied: Auf der Gegenseite durchsticht der Faden die Oberhaut nicht. Die Nadel sticht auf der Ausgangsseite wundfern durch Haut und Unterhaut ein und tritt in der Wunde aus. Auf der Gegenseite sticht sie tief im Unterhautfett ein und wird in einem Bogen so geführt, dass sie im Wundrand, also in der Lederhaut, wieder austritt, ohne die Oberhaut zu durchstechen. Für den Rückstich wird sie umgespannt, sticht auf der Ausgangsseite in die Lederhaut des Wundrands ein und tritt zwischen erstem Einstich und Wundrand aus.

Damit entstehen nur zwei statt vier Einstichstellen, und die Stichmarken liegen auf einer Seite. Das macht die Allgöwer-Naht interessant für sichtbare Hautpartien und für Wunden am Haaransatz. Weil sie weniger Gewebe fasst und auf der Gegenseite kein Widerlager in der Oberhaut hat, hält sie weniger fest als Donati- und Einzelknopfnaht. An Stellen mit maximaler mechanischer Belastung ist sie daher nicht erste Wahl.

Horizontale Matratzennaht

Bei der horizontalen Matratzennaht, auch horizontale Rückstichnaht genannt, folgt auf einen Stich quer über die Wunde ein paralleler Rückstich, der wieder zurück auf die Ausgangsseite läuft. So entsteht eine breite Naht, die die Wundränder annähert und leicht evertiert, ohne sie einzuschnüren. Die Bezeichnung U-Naht ist nicht eindeutig: Manche Quellen meinen damit diese Naht, andere die Donati-Naht.

So wird sie gesetzt:

  1. Der erste Stich verläuft wie bei der Einzelknopfnaht, aber weiter vom Wundrand entfernt, nach dem MSD Manual etwa 5 bis 10 mm. Ein- und Ausstich liegen symmetrisch.
  2. Die Nadel wird umgespannt.
  3. Etwa 5 mm neben dem Ausstich sticht sie auf derselben Seite erneut ein und läuft parallel zum ersten Stich zurück auf die Ausgangsseite.
  4. Die Fäden werden vorsichtig angezogen, bis die Ränder aneinanderliegen, und mit einem Instrumentenknoten gesichert.

Weil jeder Stich eine breite Strecke abdeckt, braucht man etwa halb so viele Nähte wie bei Einzelknopfnähten. Nützlich ist die Technik dort, wo wenig Unterhautgewebe vorhanden ist und das Evertieren schwerfällt, an Handfläche und Fingern, wo einfache Nähte die Haut durchschneiden könnten, an der Kopfhaut sowie bei Wunden unter mäßiger Spannung. Der Nachteil: Durchblutungsstörungen und Hautnekrosen treten häufiger auf als bei einfachen oder fortlaufenden Nähten, deshalb ist die richtige Fadenspannung hier besonders wichtig.

Fortlaufende Naht

Bei der fortlaufenden Naht wird die Wunde mit einem einzigen Faden über eine längere Strecke verschlossen. Sie beginnt mit einem Stich und Knoten wie bei der Einzelknopfnaht, doch der Faden wird nicht abgeschnitten. Stattdessen folgen Stiche in gleichmäßigen Abständen bis zum Wundende, wo der Faden mit der letzten Schlinge verknotet wird. Die wichtigsten Varianten sind die überwendliche fortlaufende Naht, auch Kürschnernaht genannt, und die durchschlungene fortlaufende Naht, bei der jede Schlinge eingehängt wird.

Die Vorteile: Sie ist schnell gesetzt, verbraucht wenig Material, verteilt den Zug gleichmäßig über die Wunde und verschließt sie dicht. Die Nachteile: Die gleichmäßige Spannung kann die Durchblutung der Wundränder beeinträchtigen, die Ränder lassen sich weniger fein einzeln anpassen als mit Einzelnähten, und reißt der Faden an einer Stelle, kann sich die ganze Naht lockern. Sie eignet sich deshalb vor allem für längere, gerade Wunden mit wenig Spannung.

Intrakutannaht

Die Intrakutannaht nach Halsted verläuft vollständig in der Lederhaut; die Oberhaut wird dabei nicht durchstochen. Meist wird sie fortlaufend gesetzt: kleine, gleich große, horizontale Stiche abwechselnd auf beiden Seiten der Wunde, nur wenige Millimeter tief. Mit resorbierbarem Faden werden Anfangs- und Endknoten in der Tiefe versenkt; bei nicht resorbierbarem Material bleiben die Fadenenden außen und werden gesichert, damit der Faden später wieder herausgenommen werden kann.

Ihr großer Vorteil ist das kosmetische Ergebnis: Ohne Stichkanäle durch die Oberhaut entstehen keine Stichmarken. Sie eignet sich besonders für saubere, gerade Wunden ohne Spannung, etwa im Gesicht oder am Hals, für Hautschnitte nach Operationen und für Menschen mit Neigung zu Keloiden. Bei klaffenden oder komplizierten Wunden hält sie weniger sicher als die Rückstichnähte; oft legt man vorher Subkutannähte, damit die Haut spannungsfrei und ohne Stufe aufeinanderliegt. Für die Intrakutannaht brauchen Sie ein Übungsmaterial mit Schichten, also ein mehrschichtiges Nahtpad oder Schweinehaut; an Obst gelingt sie kaum.

Nach der Naht: was in der Klinik folgt

Nach dem Wundverschluss wird ein Verband angelegt, bei Wunden über Gelenken unter Umständen auch eine Schiene. Die Patientin oder der Patient erfährt, worauf zu achten ist, etwa auf Zeichen einer Infektion wie zunehmende Schmerzen, Schwellung, Rötung oder Fieber, und wann die nächste Wundkontrolle stattfindet. Das weitere Vorgehen legt das behandelnde Team fest.

Häufige Fragen

Welche Nahttechniken gibt es?

Man unterscheidet Einzelnähte (Einzelknopfnaht, Rückstichnähte nach Donati und Allgöwer, horizontale Matratzennaht als Einzelnaht) und fortlaufende Nähte (überwendlich, durchschlungen, intrakutan). Dazu kommen Spezialnähte wie Subkutan-, Sehnen- oder Entlastungsnähte.

Wann wird die Donati-Naht verwendet?

Bei Wunden unter Spannung, etwa an Gelenken, am Rücken oder am Bauch, und wenn sich die Wundränder schwer ausrichten oder evertieren lassen. Im Gesicht wird sie wegen der vier Einstichstellen eher vermieden.

Wann nimmt man eine fortlaufende Naht?

Vor allem bei längeren, geraden Wunden mit wenig Spannung, wenn ein schneller, dichter Verschluss gefragt ist. Bei unregelmäßigen Wunden oder hoher Spannung sind Einzelnähte meist besser.

Welche Nahttechnik gibt die besten kosmetischen Ergebnisse?

Bei sauberen, geraden und spannungsfreien Wunden gilt die Intrakutannaht als kosmetisch besonders günstig, weil keine Stichkanäle durch die Oberhaut entstehen. Die Allgöwer-Naht hinterlässt weniger Stichmarken als die Donati-Naht. Entscheidend sind aber immer eine spannungsfreie, stufenlose Adaptation der Wundränder und das passende Nahtmaterial.

Was ist der Unterschied zwischen Donati- und Allgöwer-Naht?

Bei der Donati-Naht durchsticht der Faden auf beiden Seiten die Oberhaut (vier Einstichstellen). Bei der Allgöwer-Naht verläuft der Rückstich auf der Gegenseite in der Lederhaut, sodass nur zwei Einstichstellen entstehen; dafür hält sie weniger fest.

Weiterlernen

Die wichtigsten Knoten und Nahttechniken mit Schritt-für-Schritt-Abbildungen und Wiederholungsfragen finden Sie in unserem Buch Nähen wie ein Chirurg auf Deutsch. Zum Üben am 3-lagigen Silikon-Nahtpad eignet sich unser Suture Practice Kit; das zugehörige E-Book mit Videos ist auf Englisch. Beginnen Sie mit der Anleitung zur Einzelknopfnaht und lesen Sie in unserem Überblick über chirurgisches Nahtmaterial, welcher Faden zu welcher Naht passt.