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Einzelknopfnaht: Anleitung und 6 typische Fehler

Einzelknopfnaht: Anleitung und 6 typische Fehler

Bei der Einzelknopfnaht wird jeder Stich für sich geknotet: senkrecht einstechen, auf beiden Seiten gleich weit vom Wundrand und tiefer als breit stechen, dann mit einem Instrumentenknoten sichern, also einem doppelten ersten Wurf und danach einfachen, gegenläufigen Würfen. Die häufigsten Fehler beim Üben sind eine falsche Instrumentenhaltung, schräges Einstechen, ungleiche Stiche, zu feste Knoten und Luftknoten.

Die Einzelknopfnaht ist die Grundtechnik der Hautnaht und meist die erste Naht, die Sie im Nahtkurs lernen. Diese Anleitung beschreibt sie Schritt für Schritt so, wie Sie sie am Nahtpad üben, und zeigt die sechs Fehler, die Anfängern am häufigsten unterlaufen. An Patientinnen und Patienten setzen Sie sie im Blockpraktikum, in der Famulatur oder im PJ nur unter ärztlicher Aufsicht.

In diesem Beitrag:

Einzelknopfnaht: Was sie ist und wann sie eingesetzt wird

Die Einzelknopfnaht ist die einfachste Form des chirurgischen Wundverschlusses: Ein kurzer Faden wird durch beide Wundränder geführt und verknotet, dann folgt die nächste Naht. Weil der Faden über den Wundrand läuft, heißt sie auch überwendliche Einzelknopfnaht. Sie ist schnell gelernt, hält fest und lässt sich Stich für Stich an die Wunde anpassen. Löst sich eine Naht, halten die anderen weiter.

Typische Einsatzgebiete sind oberflächliche, nicht klaffende Hautwunden, etwa nach der Entfernung kleiner Hautveränderungen. Bei Wunden unter starker Spannung reicht sie allein nicht aus; dort kommen zusätzliche tiefe Nähte oder Rückstichnähte zum Einsatz. Einen Überblick über die anderen Techniken gibt unser Beitrag zu chirurgischen Nahttechniken.

Einzelknopfnaht: Anleitung Schritt für Schritt

Für die Übung am Nahtpad brauchen Sie einen Nadelhalter, eine chirurgische Pinzette, eine Schere und Nahtmaterial zum Üben. Legen Sie das Pad rutschfest hin, sorgen Sie für gutes Licht und ziehen Sie Handschuhe an.

  1. Nadel einspannen: Fassen Sie die Nadel mit der Spitze des Nadelhalters im rechten Winkel, am Übergang vom hinteren, fadenseitigen zum mittleren Drittel. Der Zeigefinger liegt gestreckt seitlich am Nadelhalter.
  2. Wundrand darstellen: Heben Sie den Wundrand auf Ihrer Seite mit der chirurgischen Pinzette leicht an, ohne zu quetschen. Bei längeren Wunden beginnen Sie in der Mitte.
  3. Einstechen: Stechen Sie im rechten Winkel zur Oberfläche ein, einige Millimeter vom Wundrand entfernt, und drehen Sie die Nadel aus dem Handgelenk (Pronation zu Supination) entlang ihrer Krümmung durch Haut und Unterhaut.
  4. Gegenseite: Führen Sie die Nadel auf der Gegenseite in gleicher Tiefe von innen nach außen und lassen Sie sie im gleichen Abstand zum Wundrand austreten, genau gegenüber dem Einstich. Ist der Spalt breit, leiten Sie die Nadel in der Wundmitte aus, spannen sie neu ein und stechen dann auf der Gegenseite ein.
  5. Faden durchziehen: Ziehen Sie den Faden so weit durch, dass auf der Einstichseite ein kurzes Ende von etwa 2 bis 3 cm übrig bleibt.
  6. Erster Wurf: Halten Sie den Nadelhalter zwischen Ein- und Ausstich über die Wunde und wickeln Sie das lange Fadenende zweimal darum. Fassen Sie das kurze Ende, ziehen Sie es durch und legen Sie die Hände auf die jeweils andere Seite. Ziehen Sie nur so fest, dass die Wundränder aneinanderliegen.
  7. Weitere Würfe: Wickeln Sie das lange Ende jetzt jeweils nur einmal um den Nadelhalter, und zwar in Gegenrichtung zum vorherigen Wurf; die Hände wechseln jedes Mal die Seite. Insgesamt sind meist drei bis vier Würfe üblich, bei glatten monofilen Fäden eher mehr.
  8. Knoten legen und abschneiden: Legen Sie den Knoten zur Seite, nicht über die Wundlinie, und schneiden Sie die Fäden so ab, dass etwa 1 cm stehen bleibt.
  9. Nächste Naht: Setzen Sie die nächsten Nähte jeweils in die Mitte der verbleibenden Abschnitte, bis die Wunde gleichmäßig verschlossen ist. Legen Sie alle Knoten auf dieselbe Seite.

Richtwerte auf einen Blick

MerkmalRichtwert
Nadel einspannenim rechten Winkel, Übergang hinteres zu mittlerem Drittel
Einstichwinkel90 Grad zur Hautoberfläche
Abstand vom Wundrandbeidseits gleich; einige Millimeter, in tieferen Wunden weiter
Stichtiefetiefer als die Stichbreite an der Oberfläche
Abstand zwischen den Nähtenetwa so groß wie der Abstand des Einstichs vom Wundrand
Würfeerster Wurf doppelt, dann einfache, gegenläufige Würfe; meist 3–4 insgesamt
Fadenendenetwa 1 cm

Die Angaben unterscheiden sich je nach Lehrbuch, Körperregion und Nahtmaterial. Im Nahtkurs gelten die Vorgaben Ihrer Tutorinnen und Tutoren.

6 typische Fehler bei der Einzelknopfnaht und wie Sie sie vermeiden

1. Pinzette und Nadelhalter falsch halten

Viele Anfänger umklammern die Pinzette mit der ganzen Hand oder kneifen den Wundrand zu fest. Halten Sie die chirurgische Pinzette wie einen Stift und fassen Sie den Rand nur leicht; gequetschtes Gewebe heilt schlechter. Verwenden Sie an der Haut eine Pinzette mit Zähnchen, und fassen Sie Wundränder nie mit einer Klemme. Beim Nadelhalter gilt: Zeigefinger seitlich gestreckt, die Nadel an der richtigen Stelle eingespannt. Sitzt sie zu weit vorn oder hinten, verbiegt sie leicht oder lässt sich schlecht führen. Mehr zu den Instrumenten finden Sie in unserem Beitrag Nadelhalter, Pinzette & Co.

2. Schräg einstechen oder die Nadel durchdrücken

Wer flach einsticht oder die Nadel mit Kraft durch das Gewebe schiebt, fasst zu wenig Tiefe und schneidet das Gewebe ein. Setzen Sie die Nadelspitze senkrecht auf, drehen Sie dann das Handgelenk und lassen Sie die Nadel ihrer Krümmung folgen. Ziehen Sie sie auf der Gegenseite ebenfalls entlang der Krümmung heraus.

3. Ungleiche Abstände und Tiefen

Liegen Ein- und Ausstich nicht gleich weit vom Rand oder nicht gleich tief, stehen die Wundränder nach dem Knoten versetzt zueinander: Es entsteht eine Stufe. Ist der Stich an der Oberfläche breiter als in der Tiefe, rollen sich die Ränder nach innen ein (Inversion). Stechen Sie deshalb symmetrisch, genau gegenüber und tiefer als breit; so evertieren sich die Wundränder leicht und heilen eben. Ungleichmäßige Abstände zwischen den Nähten sehen Sie am Nahtpad sofort, ein Foto pro Übungsrunde hilft beim Vergleich.

4. Zu fest geknotet

Der häufigste Reflex unter Anspannung: kräftig ziehen. Eine zu feste Naht schnürt das Gewebe ab, besonders wenn die Wunde in den folgenden Stunden anschwillt. Die Folgen können Durchblutungsstörungen, abgestorbenes Gewebe und auffälligere Narben sein. Ziehen Sie den ersten Wurf nur so fest, dass die Ränder aneinanderliegen; adaptieren, nicht strangulieren. Eine zu lockere Naht ist aber ebenfalls ein Fehler, denn dann klaffen die Ränder.

5. Luftknoten und gleichläufige Würfe

Ein Luftknoten entsteht, wenn sich ein Wurf zuzieht, bevor er auf dem Gewebe liegt, oder wenn der Faden beim Knoten locker gelassen wird. Der Knoten sitzt dann über der Haut, und die Wundränder gehen wieder auseinander. Halten Sie den Faden deshalb beim Knüpfen unter leichtem, gleichmäßigem Zug und führen Sie jeden Wurf bis auf das Gewebe herunter. Der zweite Klassiker sind gleichläufige Würfe: Werden alle Würfe in dieselbe Richtung gelegt, kann der Knoten rutschen. Wechseln Sie bei jedem Wurf die Richtung und die Seite Ihrer Hände.

6. Unsaubere Arbeitsgewohnheiten

Was Sie am Nahtpad einüben, nehmen Sie in die Klinik mit. Fassen Sie Nadel und Wundrand nur mit Instrumenten, nie mit den Fingern, tragen Sie beim Üben Handschuhe und legen Sie scharfe Teile immer an denselben Platz. In der Klinik müssen alle Instrumente und Materialien, die die Wunde berühren, steril sein. Gebrauchte Nadeln und Klingen gehören dort sofort in einen durchstichsicheren Abwurfbehälter in Reichweite. Gewöhnen Sie sich das schon zu Hause an und sammeln Sie gebrauchte Skalpellklingen in einem festen, verschließbaren Behälter.

Nach der Naht

In der Klinik folgen auf die Naht ein Verband und eine Wundkontrolle; Patientinnen und Patienten erfahren, auf welche Zeichen einer Infektion sie achten sollen. Das weitere Vorgehen legt das behandelnde Team fest. Am Nahtpad schneiden Sie die Übungsnähte nach der Kontrolle auf und beginnen eine neue Runde.

Häufige Fragen

Wie viele Knoten braucht eine Einzelknopfnaht?

Ein Knoten aus mehreren Würfen: Der erste Wurf wird doppelt gelegt, danach folgen einfache, gegenläufige Würfe, meist drei bis vier Würfe insgesamt. Glatte monofile Fäden brauchen eher mehr Würfe als geflochtene.

Welcher Stichabstand ist richtig?

Als Faustregel entspricht der Abstand zwischen zwei Nähten etwa dem Abstand des Einstichs vom Wundrand. Ein- und Ausstich liegen auf beiden Seiten gleich weit vom Rand entfernt.

Wie tief sollte man einstechen?

Die Naht fasst Haut und Unterhaut und sollte tiefer als breit sein, also in der Tiefe mehr Gewebe fassen als an der Oberfläche. So werden die Wundränder leicht evertiert.

Was ist ein Luftknoten und wie vermeide ich ihn?

Ein Luftknoten zieht sich zu, bevor er auf dem Gewebe liegt; die Wundränder klaffen dann wieder. Sie vermeiden ihn, indem Sie den Faden beim Knüpfen unter gleichmäßigem Zug halten und jeden Wurf bis auf das Gewebe führen.

Wie hält man eine chirurgische Pinzette richtig?

Wie einen Stift, in der nicht dominanten Hand. Fassen Sie den Wundrand nur leicht und heben Sie ihn an, statt ihn zusammenzudrücken.

Weiterlernen

Die Einzelknopfnaht und weitere Nahttechniken mit Schritt-für-Schritt-Abbildungen finden Sie in unserem Buch Nähen wie ein Chirurg auf Deutsch. Üben können Sie mit unserem Suture Practice Kit mit 3-lagigem Silikon-Nahtpad; das zugehörige E-Book mit Videos ist auf Englisch. Danach lohnt sich der Schritt zu den Rückstichnähten in unserem Überblick über chirurgische Nahttechniken, und welcher Faden wofür passt, steht im Überblick über chirurgisches Nahtmaterial.