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Nahtpad: Welches Nahtpad passt zu Ihrem Lernstand?

Nahtpad: Welches Nahtpad passt zu Ihrem Lernstand?

Welches Nahtpad zu Ihnen passt, hängt vom Lernstand ab. Ein transparentes Nahtpad zeigt Einsteigern, wie tief und in welchem Abstand sie stechen; ein dreischichtiges Silikon-Nahtpad ist der Allrounder für Knoten und die gängigen Hautnähte. Mehrschichtige Pads mit fünf oder sechs Schichten lohnen sich vor allem, wenn Sie versenkte Nähte oder einen schichtweisen Wundverschluss üben möchten.

Nahtpads, manchmal auch Hautnaht-Trainer genannt, sind Übungsmodelle aus Kunsthaut, meist aus Silikon, an denen Sie chirurgisches Nähen üben, ohne auf Obst oder Schweinefüße angewiesen zu sein. Auch in den Skills Labs der Universitäten gehören sie dazu: An der TU Dresden zum Beispiel folgt auf die ersten Knoten am Holzbrett das Üben am Nahtpad. Dieser Beitrag stellt die gängigen Pad-Typen vor und zeigt, worauf Sie beim Kauf achten sollten.

In diesem Beitrag:

Nahtpad-Typen im Überblick

NahtpadGut geeignet fürLernstand
Transparentes NahtpadStichtiefe und Stichabstand, Knoten, Einzelknopfnaht, fortlaufende NahtEinstieg
Dreischichtiges NahtpadKnoten, Einzelknopfnaht, Donati, Allgöwer, horizontale Matratzennaht, fortlaufende Naht, IntrakutannahtEinstieg bis Fortgeschrittene
Fünf- oder sechsschichtiges Nahtpadversenkte Subkutannaht, schichtweiser Wundverschluss, Intrakutannaht mit eigener LederhautschichtFortgeschrittene
Pad mit HautveränderungenStanzbiopsie, Shave-Biopsie, Exzision mit NahtFortgeschrittene, chirurgische Fächer, Dermatologie

Transparentes Nahtpad: sehen, was unter der Oberfläche passiert

Ein durchscheinendes Pad zeigt nicht nur die Oberfläche, sondern auch, was darunter geschieht. Sie sehen, wie die Nadel durch das Material läuft, ob Sie auf beiden Seiten gleich tief stechen und ob die Abstände stimmen. Gerade am Anfang hilft das, denn Stichtiefe und Stichabstand entscheiden über eine saubere Naht. Manche transparenten Pads haben vorgeschnittene Wunden oder Markierungen für Ein- und Ausstich.

Damit üben Sie vor allem:

  • Instrumentenknoten und sichere Knoten
  • Einzelknopfnaht
  • fortlaufende Naht
  • gleichmäßige Stichabstände und Stichtiefen

Wer von Anfang an auf gleiche Abstände und gleiche Tiefe achtet, baut Gewohnheiten auf, die bei jeder späteren Naht helfen. Wie die erste Naht gelingt, zeigt der Beitrag Einzelknopfnaht: Anleitung und 6 typische Fehler.

Dreischichtiges Nahtpad: der realistische Allrounder

Haut besteht aus Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis oder Korium) und Unterhaut (Subkutis), die das Unterhautfettgewebe enthält (DocCheck Flexikon: Haut). Ein dreischichtiges Nahtpad ahmt diesen Aufbau nach. Welche Schichten genau nachgebildet sind, unterscheidet sich je nach Hersteller: Bei manchen Pads sind es Haut, Unterhautfett und eine tiefere Schicht, die Faszie oder Muskel darstellt, bei anderen Oberhaut, Lederhaut und Unterhautfett als getrennte Lagen.

Ein dreischichtiges Silikon-Nahtpad gibt beim Nähen Widerstand wie Haut, und Sie spüren, wie tief Sie stechen. Es eignet sich für alle gängigen Hautnähte und besonders dafür, sichere Knoten und die richtige Stichtiefe zu üben. Viele dieser Pads gibt es in hellen und dunklen Hauttönen. Es lohnt sich, mit beiden zu üben, denn wie gut Sie Stiche und Wundränder erkennen, hängt auch vom Hautton ab.

Damit ein Pad viele Durchgänge übersteht, sind manche Modelle verstärkt, etwa mit einer eingearbeiteten Netzeinlage. Das Suture Practice Kit von Medical Creations enthält ein 3-lagiges Silikon-Nahtpad, das Haut nachbildet und wiederverwendbar ist.

Fünf- und sechsschichtige Nahtpads für Fortgeschrittene

Mehrschichtige Pads reichen tiefer. Manche bilden zusätzlich Faszie und Muskulatur nach, etwa nach dem Vorbild der Bauchwand, andere trennen Oberhaut und Lederhaut in eigene Schichten. Damit üben Sie Techniken, die unter der Hautoberfläche liegen:

  • Schichtweiser Wundverschluss (Etagennaht): Tiefere Schichten und Haut werden nacheinander verschlossen.
  • Versenkte Subkutannaht: Sie bringt das Unterhautgewebe zusammen und beugt Wundtaschen vor; der Knoten liegt in der Tiefe (DocCheck Flexikon: Subkutannaht). In der Klinik wird sie unter anderem bei Wunden unter Spannung und in kosmetisch wichtigen Regionen eingesetzt.
  • Intrakutannaht: Der Faden verläuft vollständig in der Haut, ohne die Oberhaut zu durchstechen, und hinterlässt bei einfachen Wunden ein sehr gutes kosmetisches Ergebnis (DocCheck Flexikon: Intrakutannaht). Üben lässt sie sich schon an einem dreischichtigen Pad; eine eigene Lederhautschicht macht das Gefühl dafür noch realistischer.

Wie diese Nähte im Einzelnen gesetzt werden, erklärt der Beitrag Chirurgische Nahttechniken: Einzelknopf, Donati & Co.

Spezialpads: Hautveränderungen und Biopsien

Für angehende Chirurginnen, Chirurgen, Dermatologinnen und Dermatologen gibt es Pads mit nachgebildeten Hautveränderungen wie Muttermalen. Daran lassen sich die Techniken der Hautbiopsie üben (DocCheck Flexikon: Hautbiopsie):

  • Stanzbiopsie
  • Shave-Biopsie
  • Exzisionsbiopsie mit anschließendem Wundverschluss

In der Klinik werden diese Eingriffe in örtlicher Betäubung vorgenommen. Für Studierende vor dem ersten Nahtkurs sind solche Pads eher eine Ergänzung als ein Muss.

Zahnmedizin und Tiermedizin

In der Zahnmedizin werden Nähte in der Mundhöhle geübt, in Kursen häufig am Schweinekiefer oder an Kiefermodellen. Ein Nahtpad ersetzt das nicht, eignet sich aber gut, um Knoten und Nadelführung zu trainieren. In der Tiermedizin gehören Knoten- und Nahttechniken früh zum Studium: An der Tierärztlichen Hochschule Hannover etwa müssen Studierende die entsprechenden Stationen im Skills Lab bis zum Ende des 4. Semesters absolvieren. Für Knoten und die Grundnähte ist ein Silikon-Nahtpad in beiden Fächern eine gute Übungsgrundlage.

Worauf Sie beim Silikon-Nahtpad achten sollten

  • Reißfestigkeit: Das Pad darf beim Ziehen und Knoten nicht einreißen oder bröckeln.
  • Schichten: Mindestens drei Schichten, wenn Sie Stichtiefe üben wollen; mehr für versenkte Nähte.
  • Wiederverwendbarkeit: Nach dem Durchtrennen der Fäden sollte sich dieselbe Stelle erneut nähen lassen.
  • Gefühl: elastisch wie Haut, nicht fettig, nicht schaumig.
  • Größe: genug Fläche für mehrere Stiche nebeneinander und unterschiedlich geformte Wunden.

Ein Pad allein macht noch kein Übungsset. Welche Instrumente und Fäden dazugehören, lesen Sie im Ratgeber Nahtset zum Üben: Worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Häufige Fragen

Welches Nahtpad eignet sich für Anfänger?

Ein transparentes oder ein dreischichtiges Silikon-Nahtpad. Am transparenten Pad sehen Sie Stichtiefe und Abstände besonders gut; das dreischichtige fühlt sich realistischer an und begleitet Sie auch nach dem Einstieg.

Wie viele Schichten sollte ein Nahtpad haben?

Für Knoten, die gängigen Hautnähte und auch die Intrakutannaht reichen drei Schichten. Fünf oder sechs Schichten lohnen sich vor allem für versenkte Nähte und den schichtweisen Wundverschluss.

Kann man Tattoo-Übungshaut zum Nähen nehmen?

Nur sehr eingeschränkt. Tattoo-Übungshaut ist meist eine dünne Platte von wenigen Millimetern, gedacht zum Einstechen von Farbe. Ohne Unterhautschicht lassen sich Stichtiefe, versenkte Nähte und das Aneinanderlegen der Wundränder kaum üben.

Wie reinige ich ein Nahtpad?

Entfernen Sie nach jedem Üben die Fäden. Staub und Fusseln lassen sich bei den meisten Silikonpads mit lauwarmem Wasser und etwas milder Seife abwaschen; danach gut trocknen lassen. Halten Sie sich bei Reinigungsmitteln an die Angaben des Herstellers.

Wie oft kann ich ein Nahtpad benutzen?

Das hängt vom Material ab. Reißfeste Silikonpads lassen sich bei sorgfältiger Handhabung viele Male verwenden. Ein Pad, das schon beim ersten Knoten einreißt oder bröckelt, ist dagegen schnell verbraucht.

Weiterlernen

Das Suture Practice Kit enthält ein 3-lagiges Silikon-Nahtpad zusammen mit Instrumenten und Übungsfäden. Welche Nähte Sie daran üben können, erklärt unser Buch Nähen wie ein Chirurg auf Deutsch. Wie Sie zu Hause sinnvoll üben, lesen Sie im Beitrag Chirurgisches Nähen üben: So geht es zu Hause.